Männer! Man kann nicht mit ihnen und erschießen darf man sie auch nicht und wenn man dann mal der Meinung ist, der Auserkorene könnte was vernünftiges sein, als was entpuppt der sich dann? Als beziehungsunfähiger, -geschädigter oder –angsthabender Kerl! Ich frage mich langsam wirklich, ob es noch halbwegs normale Männer gibt oder ob ich meine Ansprüche, gemäß meinem Ex-Lebensgefährten – auch so ein beziehungsunfähiges Exemplar - und Vater meines Kindes, nicht doch zu hoch schraube.
Was will ich denn großartig? Jemanden, der mit mir lacht, streitet, mir mal sagt, so geht es nicht und einfach auch mal für einen da ist. Aber nö, das können die ja heute nicht mehr. Sobald es Probleme gibt, wird es ihnen zu eng, ist zu stressig, wollen sich nicht mit dem Problem auseinander setzten und weg sind sie. Tür zu und tschüs!
Aber ich gebe ja die Hoffnung nicht auf und deswegen habe ich mal ans Internet gesetzt, nicht das ich das sowieso schon laufend allein beruflich muß, aber jetzt einfach mal zum privaten Vergnügen und in anderen Foren, als in denen ich mich sonst so tummele.
Wenn man etwas sucht, dann ist das Internet heutzutage ein hervorragendes Forum. Dennoch es kann aber auch verdammt gefährlich werden. Damit ist nicht gemeint, daß einem etwas körperlich zustoßen könnte oder man süchtig wird – das natürlich auch - aber man kann hier wunderbar Dinge schreiben, ohne daß das Gegenüber einen Hauch einer Ahnung hat, wie der andere wirklich denkt und fühlt. Denn es fehlt etwas – die Mimik, derer wir im Persönlichen nicht umhin können.
Ja, und man kann sich durchaus über hunderte Kilometer verlieben, ohne den Vogel je gesehen zu haben – außer natürlich auf einem Photo. „So ein Blödsinn! Wie soll das denn gehen? Ohne sich jemals gesehen zu haben“ werden Sie sagen. Das dachte ich auch einmal. Und dank unterschiedlichster Bildbearbeitungsprogramme kann man selbst aus dem häßlichsten Entlein einen richtig schönen Schwan machen. Ich hätte es selbst niemals geglaubt, daß es plötzlich mehr wird, als nur chatten und eMails schreiben.
Dummerweise habe ich mich auch noch verliebt. Er hat mich total aus den Schuhen gehauen, vollkommen unvorbereitet und ich glaubte, was er sagte und schrieb. Gut, letzteres habe ich ja schriftlich. Lesen Sie mal, vielleicht habe ich es mir das ja alles nur eingebildet. Rosarote Brille und so. Der gute Mann hatte wirklich ein ausgezeichnetes Talent, mir einzureden, ich sei ihm wichtig und er wolle mehr als nur mal eben flott mit mir ins Bett und dann … nun ja, ich sage mal einfach nur MANN!
Sein Spiel war gut und mies ABER… ich war besser – zumindest bis zu einem gewissen Punkt, bevor ich mich endgültig verliebt habe - denn dafür bin ich ja eine Frau, die außerdem mit einem wunderbaren Talent ausgestattet ist, nämlich mehrere Personen gleichzeitig sein zu können. Nein, bitte nicht falsch verstehen, ich bin NICHT schizophren, kann aber eine vollkommen andere Art und Weise des Schreibens an den Tag legen, Das funktionierte schon immer und im Laufe der Zeit habe ich es perfektioniert. Und mein sich selbst auserkorenes Opfer hat nichts, aber auch gar nichts gemerkt.
Ja, und auch mit dem Lügen… das konnte ich schon immer besser als andere – wobei… ich habe eigentlich so gut wie nie in dem Schriftwechsel gelogen und ihm so gut wie fast immer die Wahrheit gesagt. Ja, ich habe sogar über Dinge geschrieben, die auf die Situation mit meinem ersten und wirklichen „ich“ mit ihm passiert sind. Tja, und er hat es nicht gemerkt. Also, ein klarer Fall von maskuliner Überschätzung. Aber stellen wir uns doch erst einmal vor.
Mein Name ist Christina Maria, also eigentlich nur Christina, aber mein zweiter Vorname spielt später noch mal eine Rolle, deswegen sei er hier schon mal genannt. Wie ich schon sagte, ich lüge (fast) nicht. Und es ist so schön, wenn man Freunde hat.
Eigentlich bin ich eine normale Frau, mit Ecken und Kanten, weiß was ich will und vor allem, was ich nicht will. Mit mir kann man Pferde stehlen, aber spielt man mit mir und verletzt mich… da werde ich böse und ein echtes Miststück.
Vor allem, wenn ich mich mal wieder über mich selbst ärgern muß, wieder einmal auf einen Kerl reingefallen zu sein, bei dem es eigentlich von Anfang an klar war, wie der wirklich tickt. Und ich weiß nicht warum das so ist und vor allem, warum ich das nicht gemerkt habe! Ja, das alte Sprichwort: Liebe macht blind (und blöd) - da ist schon was dran. Nur so kann ich mir das erklären.
Also, wie ich schon sagte, ich heiße Christina, bin 37 Jahre alt, blond aber nicht blöd, 1,68 groß, arbeite im Marketingbereich, bin ein echtes Ruhrgebietskind und stolz drauf. Und stolze Besitzerin einer tollen, zickenden achtjährigen Tochter und alleinerziehend. Nachdem ich mich erfolgreich und endgültig vom Vater meine Tochter getrennt habe, war mir irgendwann mal wieder danach, jemanden kennenzulernen. Eines Abends sah ich im Fernsehen die Werbung von seitensprung18.com. Klar, Sie werden jetzt sagen: „Wie doof kann man eigentlich sein, wenn man glaubt, da kann man jemand Vernünftigen kennenlernen?“ Glauben Sie mir, es war reine Neugier und ich hätte niemals gedacht, daß es dort auch nette und vernünftige Männer gibt. Denn solche habe ich dort durchaus kennengelernt. Warum die dort angemeldet waren, da gab es die unterschiedlichsten Gründe. Langeweile, nicht mehr zu Hause miteinander reden und und und.
Es ist das Forum, über welches ich mich während meiner vorherigen Beziehung aufregte, das man dort offiziell fremdgehen kann. Aber die Neugier war dann doch größer und ich dachte mir: „Was hast Du zu verlieren? Meld Dich mal an!“. Ist ja für Frauen auch kostenlos. Gesagt getan und dann nahm das Schicksal seinen Lauf. Ach so, glauben Sie mir, ich habe in meinem Leben schon lange nicht mehr so herzhaft gelacht. Es ist eine Anmeldung wert und Sie lernen noch besser, wie Männer aber auch Frauen ticken, aber hier soll es jetzt hauptsächlich um eine Person gehen – nämlich um ihn!
Hm, was schreibt man wohl, wenn man sich in solch ein Forum einloggt? Der Name war schnell klar. Darklady1973! Sollte ja auch irgendwie was hermachen und ein bißchen verrucht klingen. Den Namen hatte noch aus meiner Gruftizeit überbehalten. Ja, ich war jung und brauchte das Geld – wie meine Freundin Sandra immer so schön sagt.
Foto? Hm, sollte ich eins einstellen? Ja, ich entschied mich dafür, denn gut in diesem Forum ist, daß man sein Foto nicht jedem zeigen muß. Stellen Sie sich mal vor, Sie sind angemeldet und am nächsten Tag begrüßt Sie Ihr Arbeitskollege - oder besser noch Ihr Chef - mit: „Na Dunkle Lady? Heiße Vorlieben. Paßt mit meinen überein. Wie wär es denn mit uns beiden?“ Weia! Nein danke! Und vor allem welches Bild? Hm, mal schnell geschaut, was die anderen so reingesetzt hatten.
Ich sage Ihnen, da fand sich alles. Entblößte Damen und Herren, die sich sehr direkt feilboten. So etwas wollte ich natürlich nicht. Sollte schon gut aussehen, aber auch Stil und Niveau haben. Auch wenn ich später feststellte, daß viele der Herren der Meinung sind, bei Niveau handelt es sich um die Creme aus der blauen Dose.
Letztlich entschied ich mich für folgendes:
Alter 36 Jahre, weiblich, 169 groß, blond, blaue Augen, sucht einen Mann für ein erotisches Abenteuer / Seitensprung / Affäre oder eine Beziehung/Partnerschaft.
Beziehung/Partnerschaft? In einem Seitesprungforum??? Hatte ich da jetzt irgendwas falsch verstanden? Ich dachte, man meldet sich in solchen Foren deswegen an, weil man eben KEINE Beziehung haben will, sondern eine Affaire – wenn es hoch kommt. Wenn sie es hier doch als Möglichkeit angeben, was soll es denn? Kann ja nicht schaden und gab der ganzen Geschichte doch noch irgendwie einen Hauch von Seriosität. So, weiter im Text. Na, das war dann aber mal einfach.
Von Beruf Angestellte, rauche gelegentlich, trinke gelegentlich Alkohol, bin keine Vegetarierin und ledig.
Bin ehrlich, offen, direkt, Humor hab ich auch, weiß, was ich will und was nicht, stehe mit beiden Beinen im Leben und brauch keinen Ernährer, sondern einen Partner, der es mit mir aufnehmen kann

Ach so... und ich identifiziere mich nicht über berufliche Qualifikationen vom Gegenüber, Statussymbole oder irgendwelche Dr.-Titel vor dem Namen. Wer meint, damit zu punkten, hat ein Problem, aber das ist definitiv nicht meins.
Und jetzt auch noch die Frage nach den Vorlieben? Na, hurra! Klar habe ich Vorlieben, aber welche meinten die denn jetzt nun? Schauen wir mal, was die anderen haben. Hm, das half mir nicht weiter, denn die einen schrieben nur „poppen“ und die anderen einen halben Roman über ihre Präferenzen, z.B. spazieren gehen, fernsehen, auf der Couch rumgammeln.
Und dann wundern sich die Herren, daß da tote Hose zu Hause ist und jetzt will man über dieses Forum Schwung in den Alltag bringen und eine neue Frau soll’s richten. Jungs! Kriegt mal Euren Hintern hoch, die Prinzessin klopft nicht von alleine an und wenn ihr weiterhin Chips und Convenient-Produkte in euch reinstopft, wird aus dem schlank irgendwann ein vollkommen schlank, eben vollschlank.
Allerdings – und das habe ich auch noch erfahren – gibt es Männer, die haben wohl keinen Spiegel zu Hause bzgl. Ihrer Körpermaße haben. Was bei Frauen bzgl. ihres Gewichtes sowieso mindestens 2 kg runtergelogen sind, haben hier einige Männer wirklich perfektioniert. Ich könnte mir das sonst nicht anders erklären. Wie kann man(n) denn schreiben 1,71 m groß, 97 kg schwer und die Figur wird als leicht mollig angegeben? LEICHT MOLLIG!!!! Ein kurzer Besuch im nächsten Möbelhaus und die Investition in einen großen Spiegel sollten da durchaus mal angebracht sein.
Also, zurück zu den Vorlieben:
Weggehen, Freunde treffen, Ehrlichkeit, Politkabarett, gute Konzerte, Sonne, Strand, Meer, kuscheln, Depeche Mode usw. usw.
Natürlich durften bei Vorlieben auch Abneigungen nicht fehlen und folgendes kann ich wirklich auf den Tod nicht ausstehen:
Lügen, Unaufrichtigkeit, Unzuverlässigkeit, Oberflächlichkeit, alles aus der Nase ziehen müssen, Unselbständigkeit, Gejammer, Profilneurotiker
Und noch mehr zu schreiben bzw. auszufüllen. Das war ja schlimmer als jeder Einstellungstest. Erotische Vorlieben? Hm, da gab es dann eine ganze Palette an Vorschlägen, die man anklicken konnte, aber welche nimmt man da? Zumal ich bei einigen nicht den leisesten Schimmer einer Ahnung hatte, was das sein sollte. Glauben Sie mir, ich habe schon viel in meinem Leben gehört und gesehen – gerade bezogen auf sexuelle Geschichten, aber da stand ich teilweise auf der Leitung. Was zur Hölle ist CS oder SC? Hm, Maria Strempel oder Strempel Maria, klar, meine Initialen, aber was haben die unter erotische Vorlieben zu suchen? Also, die nehmen wir jetzt mal nicht.
GS? Wieder einmal total gähnende Leere in meinem Kopf. So sehr ich mir auch das Hirn zermarterte, ich kam nicht drauf – erst viel später. AV, OV? Überlegt und überlegt, aber dann fiel es mir ja doch wie Schuppen aus den Haaren. Analverkehr und Oralverkehr! Können die das nicht einfach ausschreiben? Kann doch nun nicht so schwer sein. Oh, eine Abkürzung die ich kannte. SM! Anklicken? Nee, wer weiß was dann für Typen schreiben, so nach dem Motto „Laß uns die Hühner auf dem Friedhof köpfen und danach versohlst Du mir den Po!“ Bloß nicht. Also, letztlich entschied ich im erst mal für recht „harmloses“.
Partnervorstellung einfühlsam, zärtlich, humorvoll, weiß was er will und ich muß nicht alles entscheiden
Das habe ich aber später noch geändert… denn ehrlich gesagt, DAS paßte nicht wirklich zu mir und meinen Möbeln, wobei das schon irgendwie das ist, was ich irgendwie möchte, nevertheless, so wirklich paßte das nicht, deshalb gab es dann etwas später eine Änderung und zwar die folgende:
Die Chemie muß stimmen und er weiß, was er will, fordert mich und zeigt mir auch mal meine Grenzen, wenn ich mal wieder mit dem Kopf durch die Wand will, zäunt mich aber auch nicht ein oder versucht mich zu verbiegen bzw. zu ändern, denn das will ich umgekehrt auch nicht.
Es verging keine halbe Stunde nach meiner Anmeldung und mein Postfach quoll über von Angeboten und ganzen Romanen, in denen mir mitgeteilt wurde, was Mann wann, wo und wie mit mir machen wolle. Ich schwöre Ihnen, da sind ganze Schriftstellertalente an den Herren verlorengegangen und wenn die ihre Phantasie mal bei ihren Damen zu Hause einsetzen würden, dann hätte dieses Forum maximal 5 Mitglieder und nicht über 778.000, davon 735.000 Männer.
So kam es, daß ich gnadenlos den 2. Tag online war, als sich auf meiner Besucherliste ein gewisser billy1973 bemerkbar machte, aber keine Nachricht hinterließ. 1973? Klar, mein Jahrgang, das interessierte mich dann schon. Gucken kostet ja nix. Also klickte ich mich auf sein Profil und las es mir aufmerksam durch.
Ledig, eigener Haushalt, ganz nett anzuschauen und er punktete sofort mit der Aussage, er stünde nicht auf ONS (OneNightStands) – schon wieder so eine dämliche Abkürzung, die mich echt einige Sekunden meines Lebens gekostet hat. Und natürlich auch das Bild war gut– sollte ja schon tageslichttauglich sein, und er machte ja auch noch einen sympathischen Eindruck.
Je länger ich mir sein Bild ansah, desto mehr gefiel er mir, aber wischte den Gedanken beiseite, weil mein Blick erneut auf das Heimatland fiel… BADEN-WÜRTTEMBERG!!! Und dennoch… wie drückte es meine Schwägerin später aus: „Der paßt genau in Dein Beuteschema!“ Ja, tat er – abba so wat von – wie wir im Pott zu sagen pflegen und irgendwie hatte er mit meiner ersten großen Liebe Christian Ähnlichkeit.
Wie bereits erwähnt … Baden-Württemberg!!!! Ich in Nordrhein-Westfalen, Ruhrpottgöre, er ein Schwabe! Mein Gott! Ging es nicht noch weiter weg? Gut, hätte auch Mozambique sein können – aber das war ja eher unwahrscheinlich. Aber habe ich nicht alle meine Männer irgendwo weit weg kennengelernt?
Marc in Spanien, Tom in Braunschweig, Joachim in Berlin. Ok, letztlich stellte sich heraus, daß sie alle hier im Ruhrgebiet bzw. direkt nebenan wohnten, hier war es doch schon etwas anders. Hier war es vollkommen umgekehrt. Er war weit weg, wohnte da unten und ich residierte mit meinem PC hier im Ruhrpott. Keine Chance, daß er rein zufällig zwei Hausnummern weiter wohnen würde, oder? Nein, keine!
Und erst die sprachlichen Probleme! Meine sprachliche Begabung könnte da sicherlich von Nutzen sein, denn ich bin gelernte Fremdsprachenkorrespondentin für englisch und französisch, aber schwäbisch? Memo an mich, Memo an mich! Freundin Sandra in Ulm anrufen und wegen Sprachkurs in Schwäbisch für Anfänger fragen. Mal wieder typisch für michl! Warum einfach, wenn es auch umständlich geht?
Aber jetzt stellen wir IHN doch einfach mal vor bzw. er sich selbst:
Alter 36 Jahre, 188 cm, 82 kg, braune Haare, blaue Augen, Baden-Württemberg sucht eine Frau für ein erotisches Abenteuer / Seitensprung / Affäre oder eine Beziehung/Partnerschaft
Bin Angestellter, rauche und trinke gelegentlich, ledig und habe einen eigenen Haushalt
Charakter: Bin aufgeschlossen, ehrlich und makellos
Vorlieben: Meine Vorlieben sind weit gestreut. Das zu definieren sprengt den Rahmen.
Abneigungen:
Streß, Streit, Ärger. Ich möchte niemanden einzuschränken und möchte, daß auch mein Gegenüber das nicht tut. Und ich stehe nicht auf ONS!!!
Partnervorstellung:
Enen Menschen, der für alles im Leben offen ist. er sich selbst mag, mag auch andere.
Das hörte sich doch alles wirklich vernünftig an und er war LEDIG, also SINGLE, wohnte allein und suchte u.a. auch nach einer Beziehung/Partnerschaft. Aber jetzt sollten wir erst mal schauen und abwarten was so passiert.
Kapitel 2
Der erste Kontakt
1. Februar 2009
Wie gesagt, das hörte sich doch wirklich gut an. Mal sehen, ob der auch in der Lage ist, einen Satz fehlerfrei hinzubekommen. Das ist für mich ein Knockout-Kriterium. Dazu wurde ich wohl einfach zu stark während meiner Kindheit geschädigt, denn mein Vater war Deutschlehrer. Mein Psychologe – wenn ich einen hätte – hätte sicherlich schon wegen Reichtum geschlossen und sich in seiner dank mir voll finanzierten 30-Zimmer-Villa auf der Isla Margarita zur Ruhe gesetzt – mit 40 Jahren!
Während andere Kinder draußen spielten, hatte ich das Vergnügen, Diktate vom Tonband zu schreiben, Lückentexte auszufüllen und Inhaltsangaben zu erstellen. Gut, meine älteren Brüder hatten es auch nicht einfacher. Die mußten sogar noch Schönschreiben üben und gebracht hat es bei ihnen trotzdem nix. Da brauch man immer noch einen Experten für Hyroglyphen. Ich habe mich immer gefragt, wie meine heutige Schwägerin – vorausgesetzt mein Bruder hat so was jemals getan – die Liebesbriefe entziffert haben will. Meine Meinung ist, der Schriftenexperte ist damals schon an meiner Familie reich geworden.
Zurück zum Lehrerkind-Dasein und der damit verbundenen Psychose. Ich sage Ihnen, das war nicht immer einfach und ich habe es gehaßt, aber heute bin ich dafür dankbar. Aber es ist ja auch seitdem eine Menge Wasser die Ruhr runterflossen und man hat ja irgendwann andere Ansichten. Meine Tochter kann davon ein Lied singen, wenn sie heute Mathematik lernen muß. Da habe ich grundsätzlich ein Déjà-Vue bzgl. des Gemeckers, der Uneinsichtigkeit und der Argumentation, daß man doch gar nicht richtig spielen könnte, wenn man jetzt noch Übungen für die Schule machen müsse. Außerdem würde es doch reichen, wenn sie plus und minus rechnen könne und Mathe sei sowieso doof und das bräuchte man in seinem Leben gar nicht unbedingt. Soweit die Argumentation einer achtjährigen. Tja, so wiederholen sich die Dinge eben, aber haben wir uns nicht alle einmal geschworen, NICHT wie unsere Eltern zu werden?
Zurück zum Thema. Wie so oft im Leben, mußte Frau mal wieder den Anfang machen, denn da kann der Herr mit Fug und Recht behaupten, er hätte ja schließlich nicht begonnen und einfach nur mal geguckt – so ganz unverfänglich. Also, ab auf sein Profil und Nachricht senden angeklickt.
Ich: 20:44 Uhr
Guter Jahrgang, 1972. Schade, daß Du so weit weg wohnst, denn der Rest hört sich vernünftig und bodenständig an und nicht so ein blödes Geschwafel wie bei den meisten anderen hier.
Gruß Christina
Er: 20:48 Uhr
hey Christina... danke für die Blumen...

leider kann ich deines noch nicht lesen... ist noch gesperrt...ja bißchen weit weg...schade eigentlich.
liebe grüße. Christian
Christian? CHRISTIAN???? Nee, das konnte jetzt überhaupt nicht sein. Wie ich schon erwähnte, meine erste große Liebe aus meinen Teenie-Tagen, sprich mit 16 Jahren, hieß so. Das konnte doch jetzt nicht wahr sein. Der hat mich damals einiges an Nerven und mindestens den Kemnader Stausee an Tränen gekostet. War das jetzt etwa ein gutes oder ein schlechtes Omen? Gut, auf der anderen Seite ein häufig vergebener Name zu dieser Zeit. Dann schauen wir doch einfach mal, was da noch so paßt. Ich wollte, daß er schon jetzt wußte, wer ich bin, was meine Vorstellungen sind, wie ich mich selbst sehe, habe ich ihm den ganzen Salmon per Mail gesandt, denn irgendwas sagte mir, der ist anders. Oh ja, und wie!
Ich: Hier gibt es ja schon viele verstrahlte Typen, manche fallen echt gleich mit der Tür ins Haus – tolles Profil – siehst bestimmt total geil aus blablabla
Er: ja die gibt es, da hast Du recht. ..aber ist doch schon schön wenn dein Partner lecker ist, oder?...lach. bist schon lange hier bei fa???
Fa? Wieso fa? Was zum Geier hat die Seife damit zu tun? Was wollen die hier alle von mir mit fa? Ich hatte keinen blassen Schimmer, was das heißen sollte und wieso fragen mich die Typen hier nach der lila Welt? Hier ist es ja alles, aber nicht lila eher krankenhaussterilweiß. Und die Aufmachung der Seite finde ich auch total billig und unübersichtlich, wie man das sich so vorstellt in so einem Forum. Egal, kann ich später noch recherchieren, jetzt schauen wir mal, wie der so drauf ist und außerdem sandte ich ihm ein Vertrauensangebot, so daß er mein Bild sehen konnte und wenn ich online war.
Ich: Nein, erst seit gestern.
Er: Du weißt wirklich genau was Du willst...wow. ist aber bestimmt nicht einfach das immer so zu finden???
Er: ja das muß man hier auch mit Humor sehen... bist sehr schön...danke für das Vertrauensangebot...komme aus Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart... wo kommst Du denn her??
Bist sehr schön? Junge, und das nach mal gerade 5 Mails, aber mach weiter! Mehr davon!!!
Ich: Danke für das Kompliment, aber der Fotograf war auch ziemlich gut

. Ich komme aus Hattingen, Ruhrgebiet. Liegt zwischen Bochum und Essen.
Ich hörte jetzt schon von ein paar Leuten hier, daß die weibliche Klientel wohl auch ganz schwer einen an der Waffel haben muß. Stimmt das?
Er: jo das gibt es hier...da werden Dir die besten Sachen angeboten... aber das kennst Du bestimmt auch schon?
Ich: Das mit dem Wissen... da hast Du recht. Deswegen finde ich es ja auch ehrlich gesagt noch wichtiger, zu wissen, was man NICHT will.
Ich: Klar, von "Ich bin der Superhengst" bis zum romanschreibenden Typ, der mir genau mitgeteilt hat, wie, wo, wann und wie oft er es mit mir treiben wolle... zu gut. Ich muß mal ans Telefon. Bis gleich - wenn Du Lust hast...
Er: ja aber sollte dabei nicht zu sehr versteifen...sonst bekommt man viele schöne dinge gar nicht mehr mit...das ist dann auch schade.
Ich: Ich muß mal grad ans Telefon, schreiben wir nachher noch?
Er: ja gerne... scheinst ja sehr nett zu sein...bis gleich.
Um 21:44 war ich fertig mit dem Telefonat und schrieb ihn an:
So, bin wieder da! Du auch noch? Lust zu chatten?
Weg war er – wie ärgerlich! Hätte ich den Herrn aus Norddeutschland einfach abgewürgt, der mich angerufen hatte. Ach ja, schon ein Fluch, wenn einem die Herren so die Bude einrennen. Der Herr aus Norddeutschland, Torben sein Name, hat - auch typisch männlich – seinerzeit vergessen, mir eine unwesentliche und total „unwichtige“ Kleinigkeit mitzuteilen. Dazu gleich mal mehr.
Also dieser Mann hat auch so alles getoppt, was ich bisher in meinem Leben an Männern kennengelernt habe. Dagegen war Vivians Vater noch richtig ehrlich.
Er hatte mich bei freundebleiben.de, der Schulfreunde-Wiederfind-Internet-Seite, mit einer ehemaligen, gleichnamigen Schulfreundin verwechselt und daraus ist dann im Laufe der Zeit ein doch recht erotisches Abenteuer mit heißen SMS und Telefonaten geworden. Am 30.12. bin ich dann mal auf doof nach Flensburg gefahren, denn ich wußte, er muß arbeiten. Er wußte aber nicht, daß ich da gleich auf der Matte stehen würde.
Was soll ich sagen? Noch nie habe ich einen Mann so schnell von seinem Büro auf der Straße stehen sehen, nachdem ich ihm per SMS mitteilte, ich würde vor seinem Arbeitsplatz stehen. Und er kriegte so die erste Viertelstunde außer einem brabbelnden: „Ich glaube das jetzt nicht. Du bist wirklich da!“ nix, aber auch gar nix raus. Ich dachte schon, ich müsse einen Arzt rufen. Die Überraschung war gelungen. Soweit, so gut - alles prima gewesen. Kaffee getrunken, nett geplauscht und sind uns dann endlich mal live etwas näher gekommen. Nein, nicht so nah, denn so mitten in der Firma, wenn auch im separaten Büro, war doch irgendwie nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Aber das nur so nebenbei erwähnt.
Ich wußte, daß er eine Tochter aus erster Ehe hat und mittlerweile auch, daß er eine Freundin hat, war mir ja egal. Freundin kann man ausstechen, wenn Frau will. Konkurrenz belebt das Geschäft. War ein netter Nachmittag und dann bin ich wieder nach Hause fuhr . Eine Woche später hatte ich Geburtstag und da machte er mir ein Geschenk der Superlative. Er rief mich am 9. Saschauar (ich habe am 8., aber da gab es dann Mails und SMS) an und meinte, er müsse mir mal noch was mitteilen. Also, daß er eine Tochter hätte, wüßte ich ja schon, begann er das Gespräch. Bisher seien wir noch nicht dazu gekommen, aber er hätte auch noch einen Sohn – nicht nennenswerte Kleinigkeit Teil 1.
Hm, noch einen Sohn. Wie alt der sei, fragte ich. „2 Jahre!“ war die Antwort. Rechne, rechne, er ist seit drei Jahren geschieden und der Sohn ist 2? „Von Deiner Freundin?“ und er bejahte. Na toll, und was kommt jetzt noch? Vollkommen unbedarft – wie ich manchmal so bin und hoffend, daß ein „Nein“ daraus wird, fragte ich: „Und, wollt Ihr Euch jetzt noch weiter vermehren? So ein Einzelkind ist ja schließlich doof“ – noch halbwegs grinsend, aber sarkastisch.
Was glauben Sie denn? „Ähm, ja, also…“, stotterte er, „zweite kommt am 1. Februar!“ Wusch! Nicht wichtige und nicht nennenswerte Kleinigkeit Teil 2! Da war ich vollkommen sprachlos – das heißt echt was - und mit der Welt echt fertig. Ich bedankte mich recht herzlich für sein Geburtstagsgeschenk! Und das Wort mit „A“ war in dem Fall noch das netteste, was mir einfiel. Das beste war dann wieder die typisch männliche Reaktion. „Ja, Du warst ja auch mal schwanger, und da sieht man ja nicht mehr so toll aus und fühlt sich nicht so gut…!“ Er suchte halt nach eine Ausrede, die diese Situation jetzt rechtfertigen würde und selbstverständlich war die Frau daran schuld, weil sie ja nun schwanger sei. Hallo? Typisch Mann! Erst Spaß haben, dann ein Kind zeugen und wenn die Frau dann auseinandergeht wie ein Hefekloß suchen wir uns flott was Dünneres.
Und wie recht er da hatte mit seiner Aussage, daß man sich nicht so attraktiv fühlen würde. Den besten Spruch, den ich in meiner Schwangerschaft zu hören kriegte: „Nein, derzeit finde ich Dich nicht so attraktiv!“ Wer schon mal schwanger war, kennt das Gefühl. Man fühlt sich wie ein Brontosaurierer, hat das Gefühl, seine Füße nie wieder sehen zu können und ist sich sicher, daß es ein Leben ohne Sodbrennen nie wieder geben wird, weil einem das Gör ja die ganze Zeit in den Magen tritt. Und dann kommt vom Herrn der Schöpfung ein dämlicher Spruch. Super! Da fühlt sich Frau doch gleich viel besser und um so begehrenswerter.
Und der gnädige Herr Torben kommt der mir mit diesem unglaublichen, typisch männlichen Ausreden, weshalb er mit mir da was anfangen hat – natürlich ohne vorherige Nennung der familiären Gegebenheiten. Weshalb auch? Sicherlich mal wieder mein Fehler. Ich habe ja auch nicht die richtigen Fragen gestellt. Männer können solche Meister der Rhetorik sein – aber ansonsten kriegen sie die Zähne kaum auseinander. Da muß man ihnen jedes Wort aus der Nase ziehen. Oder anders. Die 4000 Wörter pro Männer-Lebenstag sind schlichtweg einfach verbraucht und mehr als ein zustimmendes „hmhm“ ist da einfach nicht mehr drin. Da kann man ihnen noch nicht mal böse sein. Das ist absolut genetisch bedingt.
„Und das ist eine Rechtfertigung dafür, daß Du mit anderen Frauen rummachst?“ fragte ich stocksauer. Es sei ja nicht seine Absicht gewesen. Er hätte ja niemals damit gerechnet, daß sich da so was draus entwickeln würde blablabla. Das übliche männliche Repertoire. Um Ausreden sind die Herren der Schöpfung nun mal einfach nicht verlegen – übrigens auch, wenn die Wörter verbraucht sind. Ich weiß es nicht genau, aber ich denke, die nehmen dann Kredit von ihren Worten für den nächsten Tag. Wenn frau sonst mal etwas fragt, kann man schon froh sein, überhaupt - außer einem Grunzen – ein halbwegs normal formuliertes Wort zu hören. Ich war so wütend und enttäuscht.
Wie es denn nun weitergehen solle? Und? Haben Sie einen Tip? Was glauben Sie? Genau, laß uns da weitermachen, wo wir aufgehört haben. Ist doch nicht so schlimm und ihm wäre so was noch nie passiert. Ist doch nicht schlimm? Hallo? So können auch nur Männer argumentieren. Mein liebster und bester Satz, den ich je von einem Mann hörte nach einem Seitensprung war: „Ich weiß gar nicht, warum Du Dich jetzt so aufregst. Ich hab Dir doch nix weggenommen!“ Nö, lediglich das Vertrauen in ihn, aber das ist auch nur eine unerwähnenswerte Kleinigkeit, die eine Beziehung benötigen könnte.
Konkurrenz ja, wenn Kinder dabei sind! NO GO! Und das wußte er auch, deswegen hat er mir das sicherlich nicht erzählt und erst als er kalte Füße bekam, weil ich bei ihm auf der Matte stand. Das habe ich ihm klar gesagt und den Kontakt mit sofortiger Wirkung auf Null runtergeschraubt. Er meldet sich heute noch, aber ich will das nicht mehr. Freundschaftlich ja, alles andere – Schatzi, Du hattest Deine Chance! Und dennoch rief er immer wieder an, hätte gerne mal wieder nette Stunden am Telefon mit mir verbracht usw. Bildungsresistenz läßt halt grüßen.
Und nun zurück zu unserem anderen Spezi. Denn der hörte sich immer noch sooooooo verdammt gut und interessant an. Es war einfach nur nett mit ihm. Kein blödes Geschwafel, sondern lustig und hatte – allem Anschein nach – auch noch was im Kopf.
Ich: Schade! leider warst Du schon wieder weg. Das Telefonat hat ein wenig länger gedauert. Ich hoffe, daß wir uns hier noch mal "sehen".
Liebe Grüße nach Baden-Württemberg aus dem Ruhrpott
Christina
Er: hey Christina...sorry, mußte kurz raus... bin doch noch im Geschäft gewesen...kann dort leider nicht chatten...aber hoffe auch sehr das wir uns hier wieder treffen...schlaf schön und süße träume.
Christian
Hach, wie schön, er wollte wieder mit mir chatten. Er schien wirklich nett zu sein, zumindest konnte man sich auch normal mit ihm unterhalten und nicht nur über das eine. Als ich mir sein Bild noch mal ansah, ich kann nicht sagen was da war. Das hat mich einfach fasziniert und er hatte etwas an sich, daß mich anzog, wie die Motten das Licht. Aber hineininterpretieren wollte ich erst mal nix. Sehen wir doch erst einmal, ob es wirklich zum erneuten Chat kommt. Schreiben können die Männer ja wirklich viel wenn der Tag lang ist.
So, nun hatte ich schließlich Zeit, um nachzuforschen, was die Männer hier dauernd mit fa meinten? Auf zur Suchmaschine und seitensprung forum eingegeben und was wurde ausgegeben? Firstaffair. Ich gab die Adresse ein und kam auf eine farbenfrohe, nett aufgemachte lila Seite, auf jeden Fall viel netter als das, was ich über die andere Site sagen konnte. Hm, war das denn auch das gleiche wie Seitensprung? Ich gab meine Login-Daten ein und siehe da, ich war drin und konnte meine Favoritenliste, meine Post und mein Profil problemlos sehen. Jetzt war ich wieder ein Stück schlauer.
2. Februar 2009
Das war doch richtig nett mit ihm gestern, wenn auch nur kurz. Ich freute mich schon darauf, wieder mit ihm zu mailen. Es war einfach schön gewesen. Als ich zu Hause war und nachdem das Mittagessen im Schlund meine siebenköpfigen Raupe verschwunden und die Hausaufgaben erledigt waren, loggte ich mich ein. Schade, er war nicht online, aber das machte ja nichts. Ich schrieb ihm einfach eine Mail.
Ich: Hi! Hier mal meine eMail-Adresse
miststueck73@hedofreeweb.org Keine Sorge… der Name ist nicht Programm… obwohl manchmal kann ich schon ein sein. Wie jeder andere eben auch.
Ansonsten waren wieder nur Schwachmaten unterwegs, die mich anschrieben wie bspw.
Liebe Unbekannte,
nettes Profil von Dir... Am Samstag habe ich mir überlegt, zur Kitkat Party in Lüdenscheid zu gehen. Vielleicht hättest du ja Lust, mit mir dort hinzugehen -natürlich erstmal nur auf ein Sympathie - Getränk

Würde mich freuen, etwas von Dir zu hören!
Viele Grüsse - Schnuffelhase.
Kitkat-Party? Wat soll ich denn mit Schokoriegeln? Das geht doch gleich wieder auf die Hüfte. Heute weiß ich, es handelt sich dabei um eine ziemlich frivole Party, bei der es abgehen soll, wie Schmitz Katze, deswegen wohl auch Kitkat. Nee, nee besser nicht. Oder der hier war auch nicht schlecht:
Der_große_Frauenversteher:
Wir können uns denn samstag treffen denn 2 mai wenn du möchtes und dann verwöhne ich Dich total und nehme dich hart ran.
Toll, mach doch erst mal einen Deutschkurs, dann nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen und es könnte eventuell mal eine richtige Antwort geben, aber beide bekamen einfach nur:
„Vielen Dank für die eMail, aber ich habe kein Interesse.“
Und davon würde ich im Laufe der Zeit noch öfter schreiben. Sie glauben nicht, wenn Sie es nicht selbst erlebt haben, was hier an Texten von den Herren kam. Also ging ich erst einmal offline und brachte meine Tochter zu ihrer Verabredung und als ich dann zurückkam, meine Einkäufe eingeräumt hatte und das Chaos in der Küche beherrschte, ging ich wieder online und hatte eine Nachricht von ihm und online war er auch noch.
Er: hey Christina,
danke für deine Email Adresse...der Name wird schon passen... lach.
ich habe nur noch die Woche dann bin ich im Urlaub, deshalb habe ich im Moment so viel zu tun...
hast Du trotzdem einen schönen Wochenanfang gehabt???
Christian
Ich: Hi Christian!
Urlaub? Was ist das denn? Ach so, ich hörte davon. Das ist die Zeit, wo man nicht in die Firma muß und einen auch niemand zu Hause anruft, weil irgendwas fehlt (wenn man Glück hat und nicht eine nervende Kollegin

.
Ja, die Woche hat gut angefangen. Kann eigentlich nur gut werden. Chef nicht da bis Freitag - jubel! Und wie war es bei Dir? Was machst Du eigentlich - wenn ich fragen darf?
Fährst Du weg oder machst Du zu Hause Urlaub? Ich fliege im Oktober nach Korfu, aber das ist noch soooooooooo lange hin.
Lieben Gruß
Christina
Er: ich mache gerne urlaub... und relativ regelmäßig. brauche das zwei, drei mal im Jahr... .ich mache Mikroskoptechnik und habe nebenher noch eine Bar...als Hobby sozusagen... lach.
fliege nach Florida, da gehe ich eigentlich im Winter immer gerne hin... und keine Sorge... Du kannst alles fragen.
Christian
Ich: Das ist schön und umgekehrt auch. Sorry, muß aufhören und meine Tochter abholen. Vielleicht ja bis später.
Und weg war ich, obwohl ich liebend gerne noch mit ihm weitergechattet hätte, aber ich hatte nun auch andere Verpflichtungen.
Er: Hey, habe mal kurz geschaut, ob Du da bist. vielleicht ja später... so schade, daß wir so weit auseinander wohnen.
Ich: ja, das finde ich auch... sehr schade..., aber vielleicht findet sich ja ein Weg, daß man sich dennoch mal trifft. Ich habe einen guten Freund in Stuttgart und eine gute Freundin in Ulm wohnen, zu denen ich in diesem Jahr sowieso noch fahren werde. Da wird sich sicherlich was finden lassen
Später bin ich sicherlich wieder online. Muß jetzt jemanden die Bettkarte stempeln lassen.
Ganz lieben Gruß
Christina
Er: Das kriegen wir bestimmt auch schon vorher hin… würde Dich gerne mal treffen
Ich: Gerne. Das sollte sich doch durchaus einrichten lassen

. Wenn Du Lust hast, können wir ja auch mal telefonieren.
Dann machte ich Vivian für das Bett fertig und ließ meinen Rechner aber noch online. Als ich meine Kleine im Bett hatte, schaute ich nach, ob er noch da war, aber leider fand ich ihn in meiner Liste nicht.
Ich: Nu bisse schon wieder wech... muß ich meinen Rotwein alleine trinken. Gut, bleibt mehr für mich, grinsfrech.
Also, wenn Du magst, Telefonnummer ist 0137-5457310, abends geht’s eigentlich ab acht meistens.
Und er antwortet mir etwas später wieder.
Er: na das ist aber schade...so ein Gläschen Rotwein wäre schon toll jetzt..
...danke für die Telefonnummer
meine ist 0137-2511110 oder Festnetz 0711-11122111
muß noch mal kurz raus, Kollege ist noch da
Huch, na der hat ja ein Vertrauen. Der rückt seine Festnetznummer raus. Dann glaubt er wohl nicht, daß Du eine Serienkillerin bist, die sich hier ihre Opfer aussucht und es besonders auf ahnungslose Schwaben abgesehen hat. Mädchen, Du mußt was an Deinem Image tun…
Ich: Dann vielleicht bis später und noch viel Spaß mit dem Kollegen. Meine Festnetznummer ist 02324-111808. Liebe Grüße
Christina
Und wie bist Du jetzt drauf? Vielleicht direkt die Anschrift mitschicken? Spinnst Du eigentlich?
Er: ja bis später vielleicht...freu mich
Ich: ich mich auch
Er:

„Dann schick ihm doch einfach mal eine SMS, mal sehen was so passiert“, dachte ich etwas später. Gesagt, getan und da wir mal wieder schneller als der Schall waren, hatte ich die natürlich nicht an sein Handy, sondern an seine Festnetznummer geschickt. Toll, das war mal wieder typisch. Der dachte jetzt bestimmt auch, ich hab sie nicht alle. Schieben wir das doch alles am besten auf die Technik. Als Frau hat man da schließlich einen Bonus, Männer haben doch sowieso die Meinung, daß Frauen technisch vollkommen unbegabt sind – also ließen wir ihn auch erstmal in dem Glauben. Aber flott noch mal an seine Handynummer geschickt.
Er: geht gerade nicht... noch paar Minuten. ist das ok???
Ich: Mist, da hat mein Handy gerade Mist gebaut. Sollte nicht an Deine Festnetznummer gehen, sondern nur an die Handynummer, was ja auch sinnvoller ist.
Lieben Gruß
Christina
Er: ja etwas... habe sie aber bekommen...danke. Ist echt soooooo nett mit Dir.
Ich: Kann ich nur zurückgeben
Er: ...hoffe wir können uns echt mal persönlich kennen lernen...
Ich:

... das hoffe ich doch auch. Finde Dich schon sehr interessant und nett...
Er: Ich Dich auch... wahnsinnig interessant sogar.
Aha, wahnsinnig interessant. Das hörte sich doch gut an. Mehr davon! Das konnte ja noch richtig gut werden.
Ich: Danke schön. Du bist echt süß.
Er: danke... so süß wie Nachbars Hund... lach
Ich: Hauptsache, Du bist nicht bissig
Er: nein nur wenn Du das magst... lach.
Und dann kam als nächste Aussage von ihm:
Er: Na, Frau Strempel, haben wir das Handy ausgemacht???
Wie ging das denn jetzt? Oh weia! Schrecksekunde! Mein dämliches Gesicht hätte ich im Nachhinein gerne sehen wollen. Woher wußte er auf einmal meinen Nachnamen? Hatte ich den in einem Anfall von Schwachsinn geschrieben? Nein, definitiv nicht! Wie dann? Verflixter schlechter Empfang in meiner Wohnung. Das Handy lag auf dem Tisch – mal wieder kein Empfang und was geht dann dran? Genau, die Mailbox und was spricht Frau da so? Genau, meldet sich mit Namen und das man grad nicht erreichbar ist. Puh, doch noch nicht vollkommen senil. Dann antworten wir mal schnell.
Ich: Nee, hier ist der Empfang teilweise hundsmiserabel. Hast Du versucht anzurufen?
Natürlich hat er das, Du Doofnuß! Welch blöde Frage – konnte auch wieder nur mir einfallen! Der muß doch jetzt echt denken, Dein Hirn ist vom Kohlestaub zugesetzt. Typisch Kohlenpott halt.
Er: jepp.
Ich rief ihn auf dem Festnetz an und seine Stimme war sehr sympathisch – das konnte doch nicht alles so gut passen, oder doch? Wir lachten ziemlich viel am Telefon und unterhielten uns über alles Mögliche, u.a. wie man halt auf diese Seite gekommen sei und über die Leute da drin, die wirklich oftmals sehr verstrahlt waren. Zwischendurch ging sein Handy, da er aus seinem Geschäft angerufen wurde, weil irgendwelche Flaschen nicht auffindbar seien, denn er hat nebenbei ja ein Billardcafé.
Leider mußte er dann doch noch einmal dorthin, wobei ich so gerne mit ihm noch weitertelefoniert hätte. Aber er sagte, daß er auf jeden Fall morgen mit mir wieder telefonieren wollte: „Ich freu mich drauf. Ist echt nett mit Dir. Hab noch einen schönen Abend!“ Und ich freute mich schon darauf, ihn wieder am Apparat zu haben, und am liebsten hätte ich den morgigen Tag direkt gestrichen und nur den Abend haben wollen. Leider ging das nicht und außerdem fuhr ich am nächsten Tag nach Amsterdam zur Messe. Da würde die Zeit sicherlich schnell vergehen und wir würden auch sicherlich recht pünktlich zu Hause sein.
copyright Christina Strempel 2009/2010